Auf Konzerttour | April 2018

Es begann im Oktober 2017 mit einem Post auf Instagram. Die europäischen Tourdaten für Lana Del Reys «LA To The Moon» Tour. Via Instagram und Twitter habe ich mich mit verschiedensten Freunden von vergangenen Lana-Konzerten ausgetauscht; wer geht, wer geht nicht? Wie immer die übliche Bande.

Die übliche Bande sind zwei Norwegerinnen und zwei Italiener, die ich bisher an jedem Konzert getroffen hatte. Inzwischen sind wir gute Freunde, und wie ich in meinem Blogpost über Bergen geschrieben hatte, wurde ich sogar von der Norwegerin Alma in meinen Ferien besucht.

Das erste Mal traf ich die Truppe im Sommer 2016 am Montreux Jazz Festival, wo Lana ebenfalls einen Auftritt hatte. Wir kamen schnell ins Gespräch und hatten eine super Zeit. In Locarno, ein paar Tage später, haben wir uns wiedergesehen, und von da an war eigentlich klar, dass wir uns in Zukunft wohl noch öfters über den Weg laufen. Gemeinsam waren wir an Konzerten in der Schweiz, in Norwegen, Italien, Deutschland, Frankreich und Ungarn.

In Europa gab es nur ein paar wenige Daten für die Tour. Von der Schweiz aus gesehen am nächsten waren diejenigen in Italien und Deutschland. Mailand, Rom, Berlin, in dieser Reihenfolge. Der Entscheid war schnell gefasst, Ferien wurden eingetragen und Tickets gekauft. Drei Konzerte innerhalb einer Woche, das war machbar.

Die Vorfreude stieg stetig, bis schliesslich der April kam und es hiess, den Koffer zu packen. Zuerst ging es mit dem Zug nach Milano, wo ich mit zwei Bekannten ein Airbnb nahm für die Zeit in der Lombardei. Wir kamen zwei Tage vor Konzert in Milano an, um uns die italienische Grossstadt noch unter die Lupe zu nehmen. Das Problem: Am ersten Tag war’s sonnig, nachher regnete es konstant. Bereits, als ich im März in Florenz war, regnete es unentwegt. Italien soll dabei doch so sonnig sein, aber was soll’s.

20180408_175821
Castello Sforzesco

Europaweit ist Italien architektonisch wohl das schönste Land, und wie viele italienische Städte bietet Mailand eine Vielzahl an interessanter und wunderschöner Architektur. Das Castello Sforzesco erinnerte mich stark an den Palazzo Vecchio, war also sehr schön anzusehen.

Den berühmten Dom liessen wir uns natürlich auch nicht entgehen, aufgrund der langen Wartezeiten blieb es aber lediglich bei einem Blick von aussen.

Am nächsten Tag, der eher regnerisch war, verbrachten wir unsere Zeit in der Pinacoteca di Brera. Obwohl mir der Name anfangs nichts sagte, ist es eines der bedeutendsten Kunstmuseen in ganz Italien. Zum Glück war ich mit einem Kunststudenten unterwegs, sonst hätte ich wohl nie Fuss in dieses Gebäude gesetzt. Die vielen Gemälde, unter anderem auch von Caravaggio und Raffael, sollte man sich definitiv nicht entgehen lassen.

Schliesslich kam der 11. April, der Tag, auf den wir alle gewartet haben – Lana Del Reys Show in Milano. Dabei gab es einige Probleme.

  • Die Arena stand irgendwo mitten in der Pampa draussen, wo man kaum hinkommt
  • Es gab etwa 30 komplett verrückte Leute, die in der Kälte und im Regen vor der Arena gecampt hatten.
  • Es regnete immer noch

Es ist Tradition, bei einem Konzert für Lana zwischen 6 und 9 Uhr aufzutauchen, damit man die erste Reihe auf sicher hat. Auf die vielen Leute, die aber dort übernachteten, waren wir nicht vorbereitet. Sowas hatten wir noch nie erlebt.

Das Warten auf den Abend war in Mailand wohl das schlimmste, was ich je erlebt hatte – es schüttete wie aus Kübeln, viele Leute wurden aggressiv aufgrund von ihrer Nummer in der Reihe und und und. Schlussendlich hat’s aber gereicht für die erste Reihe, inklusive Interaktion mit Lana, also Ende gut, alles gut.

Schon am nächsten Tag verabschiedete ich mich von meinen zwei Mitbewohnern: Sie kamen nur für das Konzert in Mailand und gingen wieder zurück nach Deutschland beziehungsweise Österreich. Ich hingegen ging mit meiner üblichen Truppe, zwei Italienern und zwei Norwegerinnen, weiter hinunter nach Rom. Mit dem Frecciarossa dauerte die Fahrt nicht lange und wir machten uns auf zu unserem Hotel – wir wohnten alle im selben.

Bis dann herauskam, dass das gebuchte Hotel gar nicht existierte.

Das ist jetzt ein wenig überspitzt gesagt, aber das Hotel, welches wir gebucht hatten, war seit Monaten im Umbau und das würde sich in den nächsten Wochen auch nicht ändern.

Nach einem Telefongespräch mit unserer Buchungsgesellschaft, das über eine Stunde dauerte, wurden wir schliesslich umplatziert und kriegten in einem Hotel in der Nähe der Arena von Rom eine Suite. Mit dem waren wir dann auch zufrieden.

Am Tag des Konzerts hiess es wieder: Um 5 Uhr aufstehen, Uber bestellen und ab zur Arena. Wie erwartet hatten auch dort bereits einige Leute übernachtet, aber bei weitem nicht so viele wie in Mailand. Auch das Wetter liess uns in Ruhe, es waren angenehme 20°C mit Sonnenschein. Das Anstehen lief überraschend geordnet ab, auch wenn uns die Security mehrmals als Arschlöcher beleidigte 😉 Es durften jeweils nur zirka 30 Leute auf einmal reingehen, und wir hatten Glück und waren unter diesen dreissig. Das Konzert war wie gewohnt super.

Am Tag nach der Show war ich der einzige, der Rom besichtigen wollte – die anderen waren entweder zu müde oder kannten die Stadt schon, also machte ich mich alleine auf den Weg. Aus Spass wollte ich eine Illuminatireise durch die Stadt machen, sprich die Handlungsorte vom Buch abklappern. Das war eigentlich eine super Idee, weil man so alles von Rom sieht: Den Vatikan, die Engelsburg, den 4-Ströme-Brunnen, das Pantheon, die Spanische Treppe etc.20180414_160712-e1539280758918.jpg

Was mir dann sehr gefiel, war die Kirche Santa Maria della Vittoria, die sehr abseits vom Touristenstrom liegt. Die Verzückung der heiligen Theresa ist eine meiner Lieblingsskulpturen, und ich hatte die Kirche fast ganz für mich alleine.

Gegen Abend traf ich mich mit einem meiner italienischen Freunde und wir besichtigten das Colosseum und den Trevi-Brunnen.

Rom wird oft als schönste Stadt der Welt bezeichnet – eine Bezeichnung, die sie sich wirklich verdient.

Leider blieb es nur bei einem Tag in Rom. Schon am nächsten Morgen gingen wir mit dem Taxi an den Flughafen. Für mich das letzte Ziel unserer Reise: Berlin.

Viel habe ich von der Stadt leider nicht gesehen. Wir kamen gegen Nachmittag am Hotel, direkt bei der Mercedes-Benz-Arena, an – und dort haute es uns fast vom Stuhl.

44 (!) Leute sassen da – am Tag vor dem Konzert, um 15.30, um mehr als 30 Stunden zu warten. So psycho das jetzt klingen mag – wir entschieden uns deshalb gegen 16.00 Uhr, ebenfalls zu warten. In der Warteschlange hatten wir sogar Amerikaner, die extra aus den Staaten angereist sind für das Konzert. Sachen gibt’s. Der erste Tag verlief friedlich, und da wir unser Hotel direkt nebenan hatten, gingen wir abwechslungsweise jeweils 3 Stunden schlafen, um unseren Platz in der Schlange nicht zu verlieren. Klingt wahrscheinlich wieder richtig psycho, aber genau so war’s.

Am nächsten Tag gab’s Tumult. Leute wollten vordrängeln, das kam natürlich nicht gu20180413_222304t an. Aber da wir glücklicherweise in Deutschland waren, war die Security rigoros und verschob diese Leute ans Ende der Schlange. Am Ende gab’s wieder einen guten Platz in der ersten Reihe und auf meine Bitte hin sang Lana Del Rey sogar eines meiner Lieblingslieder, «Honeymoon». Oh, und dann folgte sie mir einen Tag später auf Instagram. Ich frage mich bis heute, wie sie meinen Account gefunden hat.

Es hat sich also gelohnt, auch wenn das Sightseeing in Berlin leider ein bisschen auf der Strecke geblieben ist. Einen Teil der Mauer habe ich trotz allem gesehen, da die Mercedes-Benz-Arena direkt nebenan gebaut wurde. Den Rest hole ich ein anderes Mal nach.

In Berlin endete meine Reise – die anderen vier gingen weiter nach Spanien, während ich den Heimflug antrat. Viele, oder eigentlich die meisten, Leute können nicht nachvollziehen, weshalb Leute einer Berühmtheit nachreisen, um mehrere Male nacheinander dasselbe Konzert zu hören. Das liegt wohl daran, dass die meisten Leute nicht eine so starke Bindung zu einem Musiker oder einer Musikerin aufbauen wie beispielsweise ich. Google meint, das liegt an tiefem Selbstbewusstsein, welches man so kompensieren möchte. Vielleicht stimmt’s, vielleicht auch nicht.

Aber die Reisen machen immer Spass. Und solange das so ist, mache ich weiter.

Die Musik steht im Vordergrund, aber die vielen Städte, die ich dadurch zu Gesicht bekam, die vielen Leute, auf deren Wiedersehen ich mich immer wieder freue – ohne diese Aspekte wären die Shows nur halb so cool. Deshalb warte ich schon voller Vorfreude auf die nächsten Tourdaten.

Hinterlasse einen Kommentar