Auszeit in London | Juni 2018

Leider musste ich recht schnell bemerken, dass günstige Hotels in London sehr rar gesät sind. Lediglich in Brixton, wo ich aber nachts ab 22.00 Uhr nicht alleine draussen sein wollte, gab es ein paar vereinzelte, günstige Hotels.

Schliesslich fand ich dann in der Nähe vom Bahnhof King’s Cross eine Bleibe. Die Zimmer waren zwar unglaublich klein (wenn man mit 2 grossen Koffern reist, dann würde es sehr eng werden), aber von der Ausstattung und der Lage her war das Hotel super.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Grossstädten, wie Paris oder Mailand, sind die Gegenden um die Bahnhöfe in London nicht heruntergekommen oder unheimlich. Dieses Hotel buchte ich also und dann war fast schon Zeit, um meinen Koffer zu packen.

«Ich packe meinen Koffer» hört man von mir nicht so oft, da ich die meiste Zeit nur mit meinem 20 Liter Rucksack verreise. Der reicht locker für eine Woche Ferien. Für London nahm ich aber seit langem wieder einen Rollkoffer mit, denn mir schwante, dass ich so einiges kaufen würde.

Glücklicherweise liess mich die Dame von EasyJet mit Koffer und Tasche als Handgepäck boarden, obwohl die Regelung dieses Jahr geändert wurde. Beim Rückflug war’s dann ein wenig komplizierter, da musste ich erst meinen Rucksack in den Koffer stopfen. Aber irgendwie hat’s dann gepasst.

In London angekommen – natürlich genau der eine Flughafen, der keinen Bahnanschluss hat – bin ich erst Mal mit dem Bus zum nächsten Bahnhof und von dort in die Innenstadt, direkt in den wunderschönen Bahnhof St Pancras. Schon im Vorfeld hatte ich auf Google Maps etwas Merkwürdiges gesehen, aber als ich aus dem Bahnhofsgebäude ging, war’s immer noch seltsam.

Der Bahnhof St Pancras steht auf der einen Strassenseite.
Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Bahnhof King’s Cross.
Und wenn man 5 Minuten zu Fuss geht, ist man schon am Bahnhof Euston.

St Pancras und King’s Cross teilen sich sogar eine U-Bahn Station, weil sie nicht mal eine Minute voneinander entfernt sind.

Der Grund, weshalb es zwei Bahnhöfe gleich nebeneinander gibt, ist, dass zwei konkurrenzierende Bahnunternehmen zuerst denselben Bahnhof benutzten, das eine Unternehmen dann keine Gleise mehr vom anderen Unternehmen mieten wollte und dann nebenan einen neuen Bahnhof hingeklatscht hat.

Man stelle sich mal in der Schweiz vor, wenn BLS und SBB an jedem Standort zwei verschiedene Bahnhöfe hätte… 😉

Das Hotel war okay. Sauber, aber halt sehr klein. Ist aber in London generell ein Problem. Bei mir war das Bad aber tatsächlich so klein, dass ich nicht normal auf die Toilette sitzen konnte, sondern um 90° zur Seite gedreht, weil meine Beine zu lang waren.

Ich hätte selber ja nie gedacht, dass London so viel zu bieten hat. Für mich hatte London immer so etwas Fades – als wäre es zwar gross, aber es gibt nicht viel zu sehen. So ein wenig, wie die meisten amerikanischen Grossstädte.

Umso überraschter war ich dann von der Realität.

Am ersten Tag kaufte ich mir natürlich eine Oyster Card. Damit ging’s ab in die Tube, und ich kann nun die Begeisterung von allen Londonfans nachvollziehen, wenn sie über das U-Bahn System in der englischen Hauptstadt schwärmen. Paris, take notes.

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Im Urlaub versuche ich immer, so wenig wie möglich als Tourist aufzufallen. Heisst, ich gehe zielstrebig die Strasse entlang und schau nur selten auf Google Maps oder CityMapper. Ich fühl mich so einfach sicherer und ich falle ja sowieso nicht gerne auf.

In London hat sich das leider ein wenig gerächt, weil ich mindestens dreimal mit der U-Bahn in die falsche Richtung gefahren bin. Zum Beispiel gleich beim ersten Mal, deshalb kam ich mit ein paar Minuten Verspätung an der Victoria Station an. Mein Ziel war der Buckingham Palace. Auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass London auffallend wenige Abfalleimer hat. Mir wurde dann erzählt, das kommt davon, dass vor ein, zwei Jahren mal eine Bombe in einem versteckt wurde. Deshalb sollte man sich in London darauf gefasst machen, seinen Müll ein Weilchen mitzuschleppen.

Am Buckingham Palace gab’s dann schon die nächste Überraschung: Ein riesiger Menschenauflauf, alle hatten ihre Kameras oder Smartphones gezückt und blickten voller Erwartung zum Palast. Eine nette Dame verriet mir auf Nachfrage, wenn auch ein wenig verdutzt, dass ich nicht wusste was los war, dass heute die Geburtstagsparade der Queen stattfand. Wie schon erwähnt kann ich ja mit den Royals eh nicht so viel anfangen, deshalb hab ich dort nicht allzu viel Zeit verbracht. Die Queen hab ich trotzdem kurz gesehen. Nett.

Der Rest des Tages hätte trotz meinen Bemühungen, nicht als Tourist aufzufallen, nicht touristischer Sein können. Nummer eins auf meiner Liste war die Westminster Abbey, eine der wohl berühmtesten Kirchen in der ganzen Welt. Ich bin ja zutiefst unreligiös und hauptsächlich an der Architektur und der Kunst in Kirchen interessiert. Was ich aber unbedingt anschauen wollte, war das Grab von Sir Isaac Newton. Dafür muss man einmal einen Rundgang durch die ganze Kirche machen, der aber überhaupt nicht enttäuscht. Die einzelnen Familienkapellen sind ein wenig unheimlich mit den in Stein oder Holz geschnitzten Persönlichkeiten, dafür sind die Kirchenfenster umso schöner anzusehen, vor allem bei dem strahlend schönen Wetter, welches ich während meines ganzen Trips geniessen durfte.

Obwohl die Kirche zu den schönsten gehört, die ich je gesehen hatte, haben mir die Gärten im Innenhof am besten gefallen. Wenn man die Gärten überblickt hat, hätte man teilweise denken können, man befinde sich direkt in Hogwarts.

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Nach der Abbey ging’s ab Richtung Parlament und Big Ben. Erst da musste ich feststellen, dass man vom berühmten Uhrturm nur das Ziffernblatt sehen konnte, der Rest war und ist momentan immer noch vollkommen von einem Baugerüst umgeben.

Ehrlich gesagt fand ich den Big Ben aber sowieso nie sonderlich interessant, ich war also nicht allzu traurig, dass ich ihn nicht in seiner vollen Pracht bewundern konnte.

Schnell setzte ich mich in die Metro und stieg in der Pampa wieder aus. Also bei der Tower Bridge. Mir war gar nicht bewusst, dass die eigentlich so weit ausserhalb des Zentrums ist. Ich hab bisher immer gedacht, die Brücke wäre direkt in der Nähe von den weiteren Sehenswürdigkeiten Londons. Eine Welt brach für mich zusammen.

Nach der Besichtigung der Tower Bridge nahm ich mir endlich vor, etwas zu essen. Auf Empfehlung eines Freundes ging ich dafür in einen Pret A Manger, eine Sandwichladenkette, von denen es gefühlt in jeder Strasse in London eins gibt.

Die müssen hier in der Schweiz unbedingt auch ein paar Läden aufmachen, das Essen dort war so geil und preislich war es voll okay. Meine Favoriten sind der Caprese Salat mit Poulet oder zum Frühstück ein gekochtes Ei auf Bohnen und Pilzen. DAS vermisse ich am meisten, wenn ich an London zurückdenke.

Neuer Tag, neues Glück. Heute standen verschiedene Museen auf meiner Liste. Zuerst watschelte ich zum Tower of London, sah die Schlange vor dem Ticket Office und machte dann gleich wieder Kehrt. Wenn ich nur wenige Tage an einem Ort war, wollte ich die kostbare Zeit nicht mit Warten verschwenden. Stattdessen machte ich einen Spaziergang Richtung Temple District, zu der berühmten Temple Church. Die kam ja auch prominent in einem Buch von Dan Brown vor, weshalb ich überrascht war, dass ich der einzige Besucher der Kirche war. Im Vergleich zur Westminster Abbey ist sie natürlich winzig, aber mir hat sie sehr gefallen. Sie liegt ein wenig versteckt, von der Hauptstrasse her nimmt man eine kleine Gasse und kaum ist man durch einen Torbogen gelaufen, ist der Lärm von der Strasse verschwunden. Nur wenige Meter abseits des Getummels findet man einen Ort der Ruhe. Vor der Kirche hat es Bänke, auf denen man sich wunderbar von einem Spaziergang erholen kann. Die Temple Church ist für mich ein echter Geheimtipp.

Durch meine Obsession mit Lana Del Rey wissen viele nicht, dass ich auch sehr gerne andere Musik höre. Unter anderem bin ich ein grosser Fan von Amy Winehouse. Aus diesem Grund – und nicht, weil Camden das Hipsterviertel ist – begab ich mich Richtung London in ebengenannten Stadtteil.

Was mich dort erwartete, hatte ich nicht erwartet. Ich hab Camden noch nie auf Bildern gesehen, und das ist schon eine Welt für sich. Ich wüsste gar nicht, mit welchem Ort ich Camden vergleichen könnte. Der Camden Market ist der Hammer mit all den verschiedenen Produkten und dem leckeren Essen, dessen Duft durch den ganzen Markt strömt. Das Besondere am Camden Market ist, dass man dort so ziemlich jeden Scheiss kaufen kann, Dinge, bei denen man gar nie auf die Idee gekommen wären, dass sie existieren. Zum Beispiel Kerzen in Form von Champagnerflaschen.

Ein Foto von der Bronzestatue Amy Winehouses durfte natürlich nicht fehlen, aber zuerst musste 20180609_161940ich die Plastik erst eine Viertelstunde suchen, bis ich sie gefunden hatte. RIP, Amy.

Auf den Samstag war ich extrem gespannt. Vollkommen wider Erwarten hatte ich Karten für die Theatervorstellung von „Harry Potter and The Cursed Child“ gekriegt. Als ich meinen Trip nach London gebucht hatte, war ein Besuch der Vorstellung eigentlich gar nicht geplant.

Dieses Theaterstück behandelt die Jugend vom jüngsten Sohn von Harry Potter, neunzehn Jahre nach den Ereignissen im letzten Harry Potter Buch. Das Original-Drehbuch gibt’s zu kaufen, ist aber kein sonderliches Lesevergnügen. Entsprechend waren meine Erwartungen für das Theaterstück eher tief.

Tief hinab ging’s dann auch, als ich meinen Platz im Palace Theater einnehmen wollte. Die Stufen auf dem Balkon sind so steil, dass Personen unter 18 Jahren nur in Begleitung einer erwachsenen Person dort oben sitzen dürfen.

Dann fing das Theater auch schon an, und ich muss sagen: Die überteuerten Tickets sind es absolut wert. Die Story kommt auf der Bühne viel besser rüber, als im Buch, und die Special Effects sind grandios. Manchmal fühlt es sich tatsächlich an, wie richtige Magie.

Nach rund drei Stunden Theater stand dann Mittagessen an, bevor es am Nachmittag mit weiteren 2.5 Stunden Theater weiterging. Falls du mal nach London gehst und Harry Potter Fan bist – lass dir das Theater nicht entgehen.

Am nächsten Tag ging’s sogleich weiter mit Harry Potter, aber erst gegen Abend.

Den gesamten Morgen habe ich im British Museum verbracht. Das ist der absolute Hammer und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Das Beste: Der ganze Spass ist kostenlos. Trotzdem würde ich jedem an’s Herz legen, etwa 5 Pfund zu spenden, damit das Museum auch weiterhin geöffnet bleiben kann.20180609_134558

Im Museum geht es einmal rund um den Globus und quer durch die Menschheitsgeschichte. Erstes Highlight im Museum ist der Rosetta Stone, dank dem die Hieroglyphen entziffert werden konnten, da auf dem Stein derselbe Text in drei verschiedenen Sprachen abgebildet ist.

Neben dieser Steinplatte haben sie im Museum Teile eines assyrischen Tempels ausgestellt. Das ist extrem imposant, ich konnte mir gar nicht vorstellen, jemals einen Tempel in einem Museum zu sehen.

In diesem Museum habe ich rund 5 Stunden verbracht. Alles gesehen hatte ich trotzdem nicht, deshalb geht es das nächste Mal wieder dorthin.

Im Museumsladen habe ich mir einen Gedichtband gekauft, eine Sammlung von Haikus über Liebe. Mein Lieblingshaiku daraus möchte ich gerne zitieren:

umbrella-sharing – the one more in love gets wet

Nach dem British Museum machte ich mich auf in die National Gallery. Auch dort ist der Eintritt kostenlos, und diese Kunstgalerie kann ich ebenfalls wärmstens empfehlen. Dort konnte ich leite nicht so viel Zeit verbringen, wie ich gerne hätte – am Nachmittag musste ich los zum Bahnhof Euston. Von dort aus würde ich den Zug nehmen nach Watford, um die Warner Bros. Studios zu besichtigen.

Auch ein Besuch Studios war ursprünglich nicht geplant. Wie weiter oben erwähnt, geht es hier weiter mit Harry Potter.

Die Studiotour ist sauteuer, das schonmal vorweg. Trotzdem hat sich der Besuch meiner Ansicht nach vollkommen gelohnt: Wenn man mal selber in der Grossen Halle steht, oder in Dumbledores Büro oder im Hogwarts Express – das ist schon eine coole Erfahrung. Und spätestens, wenn man sich einen Zauberstab und Schokofrösche kaufen kann, ist man voll drin im Harry Potter Feeling. Für den Besuch der Studios würde ich nächstes Mal mehr Zeit einplanen, zirka 3 Stunden würden wohl passen.

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Leider ging es dann am nächsten Tag wieder zurück nach Hause. Ein, zwei Stunden nach dem Aufstehen hatte ich noch Zeit, weshalb ich mir den Buckingham Palace nochmal genauer unter die Lupe nehmen wollte. Leider war an dem Tag schon wieder irgendwas los, weshalb ich schon wieder nicht nahe rankam. War halb so schlimm, stattdessen spazierte ich im schönen Green Park, bevor ich am Bahnhof St Pancras den Zug Richtung London Gatwick nahm.

Mein Urlaub in London war sehr spontan und aus dem Wunsch entstanden, für ein paar Tage dem ganzen Stress des Alltags zu entkommen. Währen der Zeit war’s bei der Arbeit recht streng und ich konnte meine Batterien in London wieder so richtig aufladen. Nie hätte ich erwartet, dass ich mich so sehr in diese Stadt verlieben würde. Falls du also auch noch nie in London warst: Unbedingt hingehen!

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