Dieses Mal flog ich mit KLM ab Basel nach Japan, direkt an meinem Geburtstag.
Am 2. Februar stand ich morgens also am Gate und stieg in’s Flugzeug Richtung Amsterdam, von wo aus ich direkt nach Tokyo fliegen würde.

Die erste Überraschung gab es schon im Flugzeug nach Tokyo – eine nette Stewardess brachte mir Champagner und einen kleinen Origami Kranich. Dazu gab es noch ein Kärtchen mit allerbesten Geburtstagswünschen. Der Trip startete also schon sehr angenehm!
Die zweite Überraschung war der freie Mittelsitz neben mir. Einer der Vorteile am Alleinreisen ist, dass der Sitzplatz neben einem gerne mal frei ist. Mit meinem Rucksack auf dem Mittelsitz konnte ich meine Beine schön ausstrecken, was den Flug um ein Vielfaches angenehmer machte als normalerweise.
Ich reiste, wie gewöhnlich, nur mit Handgepäck. Ein kleiner Koffer und mein Rucksack reichten mir tiptop für die 2 Wochen in Japan. Ohne auf’s Gepäck warten zu müssen konnte ich den Flughafen schnell Richtung Ueno verlassen, ein Bahnhof im Norden Tokyos.
Zu der Zeit war das Coronavirus noch grösstenteils auf China mit vereinzelten Fällen in Südkorea und Japan beschränkt. Den Reisezeitpunkt hatte ich mir glücklicherweise gut ausgesucht – schon nur zwei Wochen nach meiner Rückkehr in die Schweiz starteten die ersten europäischen Länder mit dem Lockdown.
Jedenfalls ging’s mit dem Narita Express zur Tokyo Station, von wo aus ich mit der JR Yamanote Line zum Bahnhof Ueno kam. Ich habe mir mein Hotel in der Nähe dieses Bahnhofs aus den folgenden Gründen ausgesucht:
- Am Bahnhof Ueno halten Shinkansen in alle Landesrichtungen
- Die Hotels sind relativ kostengünstig
- Man hat Anschluss an die JR Yamanote Line
Ueno als Ausgangspunkt lohnt sich also, wenn man Tagesausflüge in die Umgebung plant oder frühmorgens mit dem Shinkansen wohin muss. Durch die JR Yamanote Line, welche die Staddteile Tokyos ringförmig verbindet, kommt man schnell von A nach B. Das ist vor allem relevant, wenn man einen JR Pass besitzt: Die Yamanote Line ist in diesem „Interrail für Japan“ inbegriffen. Dadurch spart man sich die Fahrpreise der U-Bahn, was sich über einige Tage ziemlich aufsummieren kann.
Mein erster Stopp war allerdings nicht mein Hotel. Zuerst musste ich einen DAISO suchen – DAISO ist eine Kette von 100 Yen Läden in Japan, also wie die Dollar Stores in Amerika oder die Zwei Franken Läden in der Schweiz (gibt’s die überhaupt noch?)
Durch das Rütteln im Flugzeug hat sich bei meinem Koffer eine Schraube gelöst, so dass der Griff nicht mehr richtig hielt. Zum Glück findet man bei DAISO jeglichen Scheiss, von Küchenutensilien über Essen bishin zu Handwerkzeug. Leider habe ich die Schraube für meinen Koffer verloren, also musste ich mit einer neuen Vorlieb nehmen, die nicht richtig passte.
Mit Sekundenkleber und Klebeband hielt die dann aber bombenfest und hat schönerweise bis heute überlebt.
Danach ging’s in Hotel, wo ich nur schnell mein Gepäck deponierte. Ich hatte nicht vor, ewig aufzubleiben – der Flug war trotz des fehlenden Sitznachbars relativ ermüdend und der Jetlag trotz allem vorhanden.
Ich entschied mich, zuerst einmal zu frühstücken.
Dafür ging ich mit der Yamanote-Line nach Shibuya in’s Ichiran Ramen
Ichiran-Ramen ist eine Kette von Ramen-Restaurants. Sogesehen der McDonald’s für Ramen.
Im Internet wird immer wieder gesagt, Ichiran sei das beste Ramenlokal in Japan. Ich kann da nicht viel zu sagen, da ich bisher nur bei Ichiran Ramen gegessen habe. Und das hat einen Grund.
Im Eingangsbereich jeder Ichiran-Filiale ist ein Automat. Dort kauft man sich seine Bestellung und kriegt dafür einen Zettel. Den gibt man dann der Bedienung ab und erhält in Kürze das Essen.
Dieses Automaten-System ist ziemlich verbreitet in Japan. Das Besondere bei Ichiran ist aber, dass man an einer Theke sitzt. Links und Rechts von jedem Sitzplatz sind Klappwände angebracht, wie Scheuklappen bei einem Pferd. Dadurch hat man Privatsphäre beim Essen und kann sich voll auf die Nudelsuppe konzentrieren. Deshalb empfehle ich Ichiran vor allem auch Leuten, die mit Essstäbchen nicht allzugut klarkommen. Bei Ichiran kann man schön üben, ohne dass jemand zusieht 😊
Und falls man zu zweit ist und zusammen Essen will: Dann kann man die Sichtschutze natürlich wegklappen.

Bei ichiran gibt es nur Tonkotsu-Ramen, also Nudelsuppe auf Basis einer Brühe, die aus Schweineknochen gemacht wird. Veganer und Vegetarier werden hier also leider nicht fündig (wie in vielen japanischen Restaurants, da die meisten Gerichte Fischbrühe enthalten). Vegane Ramen findet man allerdings nur eine U-Bahnstation von Shibuya entfernt in Harajuku.
Die Einkaufsstrasse von Harajuku ist immer einen Besuch wert, und selbst jetzt im Winter waren extrem viele Menschen dort unterwegs. Direkt neben Harajuku befindet sich der Meiji-Schrein, von dem ich bereits in meinem Blogpost zu meiner letzten Japanreise geschrieben habe. Auch dem Schrein stattete ich einen Besuch ab. Und jetzt kann ich mit gutem Gewissen sagen:
Nutzt eure Zeit, wenn ihr noch an Jetlag leidet! Das letzte Mal war ich um ca. 5.30 morgens beim Schrein. Damals waren meine Mutter und ich die einzigen dort, mit Ausnahme von zwei, drei Salaryman, die kurz am Schrein beteten und dann wieder gingen.
Ich kann also nur empfehlen, die ersten Tage früh ins Bett zu gehen. So kann man die Sehenswürdigkeiten ganz für sich alleine haben – wenn sie natürlich so früh schon geöffnet sind.

Vom Schrein aus marschierte ich zum Shinjuku Gyo-en, dem Park von Shinjuku. Vom Meiji-Schrein aus habe ich dafür etwa eine Stunde gebraucht – es kann sich also lohnen, die U-Bahn zu nehmen.
Leider habe ich nicht daran gedacht, dass der Park Montags immer geschlossen ist und deshalb blieb mir der Zutritt verwehrt. Ich nahm das als Zeichen und nahm vom Bahnhof Shinjuku her den nächsten Zug nach Ueno und schlief wie ein Stein.
Vorhin habe ich ja erwähnt, die Zeit frühmorgens zu nutzen. Für den nächsten Tag war das nicht ganz einfach. Heute hiess mein Ziel Nikko, eine Kleinstadt ca. 2 Stunden nördlich von Tokyo inmitten des gleichnamigen Nikko-Nationalparks. Da der erste Zug ab Tokyo erst kurz nach 6 Uhr morgens fuhr, musste ich mich also ein wenig gedulden – aufgewacht bin ich bereits um drei Uhr morgens.
Früher war Nikko der Rückzugsort des Kaisers im Sommer. Nikko liegt auf ca. 1300 Metern über Meer, weshalb die Temperaturen im Sommer bei ca. 20 Grad liegen.
Im Umkehrschluss heisst das auch, dass Nikko im Winter schweinekalt ist. Und ich hab mich nicht warm genug angezogen.
Es ist prima, mit Handgepäck zu reisen. Billigere Flüge, schneller aus dem Flughafen raus, man hat keine grossen Platzprobleme im öffentlichen Verkehr.
Aber im Winter ist halt auch nur begrenzt Platz für dicke Pullis und Jacken vorhanden.
Meine «dickste» Jacke – wenn man sie denn so nennen kann, denn ich trage diese normalerweise im Herbst – trug ich am Körper während des Fluges.
Meine weiteren Winterkleider waren zwei Hoodies und zwei dünne Pullis.
Der Rest waren eine Unmenge an T-Shirts.
Denn T-Shirts sind platzsparend, und meine Überlegung war, dass ich mit dem Zwiebelprinzip jeweils ein T-Shirt tragen konnte und einen Hoodie drüber. Dadurch kann ich mein T-Shirt täglich wechseln, aber meine Pullis unbegrenzt anbehalten.
Leider war es in Nikko so saukalt, dass ich trotz Shirt, Pulli, Jeansjacke und der «Winterjacke» noch fror. Naja, Augen zu und durch.
Um nach Nikko zu kommen, muss man zuerst mit dem Shinkansen nach Utsunomiya reisen und kann von dort aus die Regionalbahn nach Nikko nehmen. Wenn man in Nikko aus dem Bahnhof tritt, hat man schon ein unglaubliches Bergpanorama zu seiner Rechten.

Im Touristenbüro habe ich mir für 2500 Yen – ca. 20 Franken – ein Tagesticket für den Bus gekauft. Mit der 2500 Yen teuren Version kommt man damit von Nikko den Berg hinauf bis zum Chuzenji See. Die Bustickets lohnen sich schon ab einer Hin- und Rückfahrt und vereinfachen das Busfahren im Generellen. In Japan funktionieren Busse je nach Stadt immer ein wenig anders, und mit dem Day Pass muss man sich nicht mit den Einzelheiten herumschlagen.

Mit dem Bus fuhr ich nur ein paar wenige Minuten bergauf durch das hübsche Städtlein von Nikko. Am Stadtrand stieg ich aus, um mir die Shinkyo Brücke anzusehen. Sie ist sogesehen das Eintrittstor zu all den Sehenswürdigkeiten in Nikko. Von dort aus geht eine Steintreppe einen Hügel hinauf. Durch den Wald geht’s bis zum Buddhistischen Tempel Jodoin. Nachdem man daran vorbeigegangen ist, geht man nach rechts, wo sich die berühmteste Sehenswürdigkeit von Nikko befindet: Der Toshogu-Schrein.
Der Toshogu-Schrein ist ein UNESCO-Welterbe und das Mausoleum des Shoguns Tokugawa Ieyasu. Als einer der berühmtesten Shinto-Schreine ist es die Destination schlechthin für Tagestouristen, seien es Japaner aus Tokyo, Aomori oder sogar Osaka oder Ausländer wie mich 😊
Der Schrein ist golden verziert und für mich der wohl eindrucksvollste Schrein, den ich in Japan bisher gesehen habe. Bekannt ist der Schrein vor allem auch für die drei weisen Affen, die seit dem Aufkommen von Emojis enorm an Popularität gewonnen haben.

Die drei Affen sind an einem relativ unscheinbaren Nebengebäude in Holz geschnitzt. Inzwischen ist die Schnitzerei ein beliebtes Fotomotiv geworden, wo es in der Vergangenheit nicht wirklich beachtet wurde.
Hier beim Toshogu-Schrein hat sich ein Besuch Japans im Winter das erste Mal richtig ausgezahlt: Nur eine einzige chinesische Reisegruppe war an diesem Morgen mit mir beim Schrein. Dadurch konnte ich schöne, menschenfreie Bilder schiessen. Mit dem Selbstauslöser konnte ich auch von mir ein paar Bilder schiessen, was bei den sonst üblichen Menschenmassen unmöglich ist.
Vom eigentlichen Schrein aus führen 207 Steinstufen einen Hügel hinauf zum Grab des Shoguns. Die moosüberwachsenen Steinzäune mit der steinernen Treppe und einem Tori-Tor am Gipfel sind ein super Fotomotiv – und eines, welches man im Sommer wohl nie ohne Touristen vor die Linse kriegt.
Nun war schon später Vormittag, also Zeit, etwas zu essen. Weil Nikko doch sehr touristisch ist, entschied ich mich, im Konbini einen Snack zu holen.
Generell kann ich in Japan das Essen aus den Convenience-Stores sehr empfehlen. Die Onigiri, Sandwiches und auch die aufwärmbaren Gerichte sind sehr lecker und nicht mit dem Supermarktessen in Europa vergleichbar.
Gestärkt ging es weiter mit dem Bus zum Chuzenji See.
Der Aufstieg zum See erfolgt über die Irohazaka Winding Road. Die Strasse schlängelt sich mittels 48 Haarnadelkurven den Berg hinauf. Das Besondere an der Zahl 48 ist, dass das japanische Silbenalphabet traditionellerweise genau 48 Silben besitzt. Davon kommt auch der Name «Irohazaka», zusammengesetzt aus «Iroha» und «zaka» – I, Ro, Ha waren früher die ersten 3 Silben aus dem Alphabet, und Zaka bedeutet «Piste».
An der Spitze dieser Strasse befindet sich die Seilbahn, welche zum Akechidaira Plateau hinaufführt. Dieser Aussichtspunkt bietet eine spektakuläre Sicht auf den Chuzenji See und dem Abfluss, dem Kegon Wasserfall.
Leider wurde die Seilbahn zu diesem Zeitpunkt gewartet. Genau am selben Tag wurde mit den alljährlichen Wartungsarbeiten begonnen.
Weil ich das aber schon im Vorfeld wusste, hielt sich die Enttäuschung bei mir in Grenzen.
Beim Chuzenji-See angekommen wurde es richtig kalt, und zum ersten Mal sah ich auch Schnee in Japan, und davon nicht zu wenig. Gleichzeitig blies ein eisiger Wind, welcher mich aber nicht davon abhielt, am See entlang zu schlendern.
Die Bootsverleihe waren alle geschlossen, so dass ich auch hier am See meine Ruhe hatte und ein paar sehr schöne Bilder vom Bergpanorama am See schiessen konnte.
Ich spazierte wieder am See zurück und dieses Mal war der Kegon Wasserfall mein Ziel.
Auf einer Aussichtsplattform kann man den beinahe 100 Meter hohen Wasserfall bestaunen, wie er in die Tiefe stürzt. Auch dieser Aussichtspunkt ist eine absolute Empfehlung: Gegenüber des Wasserfalls eröffnet sich eine Schlucht, und am Horizont ist das tiefe Flachland zu sehen.
Zwar war erst früher Nachmittag, aufgrund meines Jetlags (und wegen der Kälte) machte ich mich aber trotzdem auf den Rückweg.
Dieses Mal stieg ich wieder bei der Shinkyo Brücke aus; bevor ich Nikko verliess, wollte ich mir das Städtchen von Nikko noch zu Fuss anschauen. An der Strasse reihen sich Souvenirläden in traditionellen japanischen Häusern aneinander.
Damit neigte sich mein Tag in Nikko dem Ende zu – ich kann dieses Städtchen allen wärmstens empfehlen. Sowohl die Schreine als auch die Natur sind atemberaubend, und ich kann mir gut vorstellen, dass man hier im Sommer wunderbar wandern kann.
Schliesslich stand dann auch schon mein letzter Tag in Tokyo an – ich war ja schon bei meiner ersten Japanreise beinahe eine ganze Woche in der Hauptstadt, so dass ich meinen Besuch dieses Mal kurz hielt.

Am Morgen nahm ich einen frühen Zug nach Shinjuku, wo ich üppig ein Tonkatsu (paniertes Schweineschnitzel) frühstückte. Meine innere Uhr war halt immer noch auf europäische Zeit eingestellt.
Nach dem Frühstück besuchte ich das Rathaus von Tokyo, welches sich ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof Shinjuku befindet. Schon bei meiner letzten Reise war ich dort, aber jetzt im Winter hatte ich einen speziellen Grund für meinen Besuch.
Früh am morgen musste ich keine Minute anstehen, und los ging die Liftfahrt zum Aussichtsdeck auf 202 Metern. Die Aussichtsplattform ist alleine deshalb empfehlenswert, weil der Besuch komplett kostenlos ist. Trotzdem möchte ich jeden Besucher ermutigen, im Souvenirshop etwas kleines zu kaufen, um den kostenlosen Betrieb weiterzuführen.
Oben angekommen freute ich mich sehr, dass es klappte: Westlich von Tokyo war der Berg Fuji in der Entfernung zu sehen.

Fuji ist normalerweise von Wolken eingehüllt – die Wahrscheinlichkeit beträgt pro Tag ca. 30%, dass man ihn sieht – aus nahen Dörfern und Städten.
Normalerweise sieht man den Berg aus Tokyo fast nie, da entweder Abgase oder Wolken die Sicht vermindern.
Jetzt im Winter hatte ich das Glück, dass die Sicht uneingeschränkt war.
Nach meinem Besuch im Rathaus machte ich mich auf nach Nihombashi, ein Geschäftsviertel im Osten Tokyos.
Meine Schwester wollte einige spezielle Dinge aus dem Pokémon Center. Diese versuchte ich nun zu besorgen.

Leider hatte ich nirgends Glück – weder im Pokémon Center in Nihombashi noch im Pokémon Center beim Tokyo Skytree, welches ich nach meinem ersten Misserfolg anlief.
Schliesslich gab ich die Suche nach dem Pokémon-Merchandise auf und fuhr zurück nach Ueno, wobei ich zuerst noch einen Abstecher ins Touristenviertel Asakusa machte.
Ich hatte noch rund eine Stunde Zeit, bevor ich meine Weiterreise nach Kanazawa antreten würde.
Mit Onigiri und Grüntee verbrachte ich meine restliche Zeit in Tokyo im Ueno-Park, wo eine japanische Familie relativ komische Musik aufführte, während der Familienvater für alle Ballontiere bastelte. Auch die Japaner um mich herum waren ab dieser Performance verwirrt, wenigstens war ich damit nicht alleine.
Schliesslich hiess es: Koffer beim Hotel abholen und mit dem Shinkansen auf nach Kanazawa an der Westküste von Japan – aber dazu mehr im nächsten Blogpost.













