Japan II | Teil 2: Kanazawa 金沢

Ich kam am Abend per Schnellzug aus Tokyo in Kanazawa an. Den tag durch hatte es scheinbar geschneit, aber der Schnee ist auf den Strassen und den Gehsteigen zu Matsch zerlaufen. Schuld daran sind komische Fontänen im Boden der Strassen von Kanazawa: Aus irgendeinem Grund sind in der ganzen Stadt kleine Brunnen in den Boden eingelassen, welche unablässig Wasser verspritzen. Manche pumpen nur ein wenig Wasser heraus, während andere einen Strahl über mehrere Meter an Hauswände schiessen. Bisher konnte ich keine Infos zum Nutzen dieser Dinger finden.

Besagte komische Dinger

Ich empfehle dringends, wasserfeste Schuhe mitzunehmen.

Nach einer erholsamen Nacht in einem kleinen, aber feinen Hotel im Zentrum Kanazawas machte ich mich schon frühmorgens auf.

Das erste Ziel war der Garten Kenroku, oder Kenroku-en, wie er auf Japanisch genannt wird. Er ist Teil der «drei grossen Gärten» in Japan. Im ganzen Land ist dieser Garten für seine Schönheit während allen Jahreszeiten bekannt. Ich war schon ganz gespannt.

Der Eintritt zum Garten kostet eine geringe Gebühr, und die ist es vollkommen wert.

An meinem Tag in Kanazawa schneite es am Morgen, und im Schneegestöber war der Garten absolut atemberaubend.

Mehr Schnee, als es im ganzen 2020 in der Schweiz gab

Man muss sich ausserdem bewusst sein, dass ein «Garten» in Japan mehr mit einem Park zu vergleichen ist; das Gelände des Kenroku-Ens ist weitläufig und über verschiedenste Pfade kann man den Park und seine Brücken überqueren, auf einen Hügel steigen und den kleinen See überblicken und und und.

Auch hier zahlte sich ein Besuch im Winter aus: Während des Frühlings, vor allem während der Kirschblütensaison, herrscht im Garten ein riesiger Besucheransturm. An diesem kalten Wintermorgen waren aber nur wenige Leute anwesend.

Und: Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Garten während einer anderen Jahreszeit schöner ist als im Winter. Zwar muss man auf Blumen und blühende Kirschbäume verzichten, aber der Puderschnee macht den Park zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Nummer zwei auf meiner Bucketlist war die Burg Kanazawa, welche nur einen kurzen Fussmarsch vom Kenroku-en bzw. Ishiura-Schrein entfernt ist.

Direkt neben dem Park befindet sich der kleine Ishiura-Schrein, den ich entdeckt habe. Dort sind viele Tori-Tore dicht an dicht hintereinander aufgestellt, ähnlich wie beim Fushimi-Inari in Kyoto. Der Schrein ist zwar um ein Vielfaches kleiner, aber einen Besuch ist er definitiv wert.

Auf einem Hügel befindet sich die restaurierte Burg, welche zu den schönsten gehört, die ich in Japan bisher sehen durfte. Hinter der Burg ist ausserdem ein schöner, kleiner japanischer Garten, der Gyokusen’inmaur Park. Klein, aber oho! Ich habe wohl wirklich eine Schwäche für japanische Gärten…

Langsam plagte mich der Hunger, und deshalb war das nächste Ziel offensichtlich: In Kanazawa befindet sich der Omicho Market.

Im Omicho Markt findet man Meeresfrüchte, Fische, Gemüse, Obst, Accesoires, Handschuhe und noch vieles mehr – perfekt, um ein wenig Street Food zu probieren.

Als erstes habe ich mir versehentlich Aalleberspiesse bestellt – auf dem Schild konnte ich zwar das japanische Wort «unagi» erkennen, allerdings war mir das Kanji für «Leber» unbekannt. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, und schliesslich kriegte ich Leber auf Spiessen.

Mit der Aalleber konnte ich rein gar nichts anfangen – weder Geschmack noch Konsistenz waren für mich angenehm. Glücklicherweise fand ich nur ein paar Marktstände weiter Aal am Spiess – dieses Mal ohne Leber.

Im Markt habe ich ausserdem exzellentes Wagyu Beef am Spiess gegessen – zwar war das Rindfleisch ziemlich teuer, aber es hat sich absolut gelohnt. Leider habe ich den Namen des Marktstandes vergessen, aber der Stand ist auch bei Japanern sehr beliebt und so findet man ihn wohl ohne Probleme.

Im Obergeschoss des Marktes befinden sich einige Restaurants. Ich entschied mich deshalb, gleich dort Mittag zu essen. Ich glaube, bei diesen Restaurants bin ich ein wenig in eine Touristenfalle hereingetappt, da das Essen für japanische Verhältnisse ziemlich teuer war und nicht sonderlich gut. Ich würde empfehlen, Street Food im Markt zu essen und ein Restaurant ausserhalb davon aufzusuchen.

Jetzt kommen wir zum Teil, der Kanazawa zum «kleinen Kyoto» macht.

Das «Higashi Chaya» Viertel ist ein historischer Distrikt in Kanazawa.

Ähnlich wie Gion in Kyoto ist Higashi Chaya ein Geishaviertel. Entsprechend findet man hier gepflasterte Strassen mit zahlreichen wunderschönen, traditionell japanischen Häusern.

Das Viertel ist um einiges kleiner als das Geisha-Viertel in Kyoto, dafür ist es auch touristenfreier und in den traditionellen Häusern sind keine Starbucks oder ähnliches untergebracht 😊

Mein letzter Stopp in Kanazawa war schliesslich das historische Samuraiviertel Nagamachi.

Im Gegensatz zu Higashi Chaya sind hier viele Häuser eingezäunt, was auf den Status der Samurai hinweist. Hier kann man restaurierte Residenzen von Samurais besichtigen, dazu gibt es auch verschiedene Museen und wenn man die Augen offen hat findet man auch den ein oder anderen japanischen Garten.

Mein Tag in Kanazawa endete schliesslich mit einem Besuch im Starbucks – nicht sehr japanisch, aber da dieser so nahe an meinem Hotel war, eignete er sich bestens, um den Abend ausklingen zu lassen, bevor ich ins Bett ging. Am nächsten Tag würde es nämlich nach Kyoto gehen.

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