Per Expresszug ging’s früh am Morgen von Kanazawa nach Kyoto. Während der rund zweistündigen Zugfahrt fährt man am grössten See Japans entlang, dem Biwa-See. Ein Sitzplatz auf der linken Seite des Zuges kann ich deshalb sehr empfehlen, da die Aussicht fabelhaft ist.
In Kyoto habe ich ein ziemlich günstiges Hotel in Gion gefunden – in der Gegend kann es sonst sehr schnell sehr teuer werden. Und ich muss sagen, dass dieses Hotel mein Lieblingshotel während der gesamten Reise war: Das «Laon Inn Gion Shijo» war modern, hatte für japanische Verhältnisse ein ziemlich grosses Zimmer und Bad mit separatem WC.
Die Lage ist exzellent und die Bedienung sehr freundlich – ich kann dieses Hotel sehr empfehlen!
Gion ist das Geishaviertel in Kyoto, das heisst dort gibt’s viel traditionelle japanische Architektur, enge Gässchen und Tempel und Schreine. Vor allem für das erste Mal in Kyoto würde ich für ein Hotel dort Ausschau halten.
Ich liess Gion aber vorerst sein und ging direkt zu einer meiner liebsten Sehenswürdigkeiten in Kyoto: Den Kinkaku-ji, der goldene Tempel.

Dazu habe ich auch schon im Kyoto-Blogbeitrag von 2019 etwas geschrieben. Damals – im Mai – war die Tempelanlage voll mit Touristen. Es war praktisch unmöglich für die vielen Leute, ein Bild von sich neben dem goldenen Pavillon zu schiessen.
Im Winter sah das jetzt ganz anders aus: Die grossen Touristenmassen blieben weg, der Kontrast zu meinem letzten Besuch hier war extrem.
Das beste am Kinkaku-ji finde ich nicht den Tempel per se, sondern die Gartenanlage darum. Der goldene Pavillon sitzt am Rande eines Teiches, und von dort aus spaziert man einen wunderschönen Garten entlang, bis man schliesslich zu den Souvenirläden und zum Ausgang gelangt. Auch nach meinem zweiten Besuch bleibt der Kinkaku-ji hoch oben auf meiner Liste der liebsten Sehenswürdigkeiten in Japan.
Nach dem Tempel wollte ich ursprünglich zum Ginkaku-ji.
Aber weil ich in den falschen Bus gestiegen bin, wurde das nichts.
Weil in Kyoto die Busse pauschal ca. 2 Franken kosten, habe ich mich einfach mal mitnehmen lassen. Ich wollte nicht 230 Yen verschwenden, um nur eine Station zu fahren und von dort aus den richtigen Bus zu nehmen.
Zum Glück gibt es ab und an solche Ereignisse, denn dadurch habe ich den Ryoan-ji entdeckt, den ich ansonsten nie besucht hätte. An der Bushaltestelle stiegen ziemlich viele Leute aus, also ging ich denen hinterher.
Ryoan-ji heisst übersetzt «Der Tempel des ruhenden Drachen». Er ist scheinbar berühmt für seinen Steingarten im Inneren (jedenfalls denke ich das, weil überall Schilder mit Pfeilen zum «Rock Garden» aufgestellt waren).

Solche «trockene Gärten» werden auch Zen-Gärten genannt. Kieselsteine sollen dabei Wasser repräsentieren. Um das zu verdeutlichen, werden mit Rechen Wellen in den Kies geformt.
In Europa kann man in Dekoläden ja oft Miniaturversionen solcher Zen-Gärten kaufen, die man Zuhause aufstellen kann.

Der Tempel hat aber mehr zu bieten, als nur diesen Steingarten – der ist nämlich gar nicht so gross. Auch hier gibt es einen Rundgang, der um einen kleinen See führt. Besonders gefallen hat mir eine kleine Insel im See, die man über eine Brücke betreten kann. Der Pfad führt dann weiter zu einem weiteren Tempelgebäude und durch einen Kiefernhain hindurch zurück zum See, wo es dann zurück zum Ausgang geht.
Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich schon ziemlich spät dran bin. Wie letztes Mal.
Ich nahm also den direktesten Weg zum alten Kaiserpalast in Kyoto – schon im Mai 2019 wollte ich den besuchen, aber wir waren rund 15 Minuten zu spät dran, der Palast hatte schon geschlossen.

Dieses Mal kam ich noch rechtzeitig und wurde hineingelassen. Auch hier: Touristen waren nur sehr wenige da. Auch der Park, der den Palast umschliesst, war abgesehen von einigen Schulklassen leer.
In den Palast rein kann man zwar nicht, aber vom Eingang aus geht ein Rundgang einmal rundherum und auch zwischen den Gebäuden hindurch. Falls man einen traditionellen Gebäudekomplex von innen betrachten möchte, kann ich die Burg Nijo, ebenfalls in Kyoto, empfehlen.
Ich fahre nicht gerne Bus in Kyoto – die sind immer klein und ziemlich voll. Deshalb spazierte ich vom Kaiserpalast zum Nishiki-Markt. Der Markt ist eine überdachte Einkaufsstrasse und dort gibt’s alles mögliches zu kaufen; von westlichen Marken bis hin zu Läden, die es nur in Japan gibt, ist dort alles vertreten. Schon bei meinem letzten Kyotobesuch war der Nishiki-Markt einer meiner Lieblingsorte in Kyoto. Trotz fehlendem Platz im Handgepäck habe ich mir einige Dinge gekauft – irgendwie würde ich die schon noch in den Koffer bringen.
Nach meiner Shoppingtour wollte ich zurück ins Hotel – aber zuerst wollte ich noch einen Happen essen. Deshalb ging ich ins Ichiran beim Nishiki-Markt und bestellte mir eine (wieder) sehr gute Schüssel Ramen, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen stand ursprünglich Amanohashidate auf dem Plan.
Amano-was? fragen sich hier wohl die meisten.
Nun, in Japan gibt es die Liste der «drei schönsten Orte».
Nummer 1: Miyajima
Nummer 2: Matsushima
Nummer 3: Amanohashidate
Miyajima und Matsushima kannte ich bereits von meiner letzten Reise. Jetzt sollte also Amanoshidate drankommen.

Die Präfektur Kyoto hat Seeanschluss im Norden, am japanischen Meer (wusste ich gar nicht).
Amanohashidate wird auch als «Himmelsbrücke» bezeichnet. Die Himmelsbrücke ist eine Sandbank in einer Bucht, auf der Kiefern wachsen.
Bild: Wikipedia
Wenn man sich nun bei einem Aussichtspunkt auf eine Bank stellt, die Beine spreizt und kopfüber zwischen den Beinen die Himmelsbrücke betrachtet, dann soll das angeblich aussehen wie ein Drache, der in den Himmel fliegt.
Das wollte ich sehen. Aber es gab einige Dinge, die gegen einen Besuch sprachen.
- Die Reise dauert lange
- Die Zugfahrt wird nur teilweise vom JR Pass gedeckt
- Im tiefsten Winter will ich nicht mit einem Fahrrad über die Sandbank fahren
Weil mein Budget relativ begrenzt war für diese Reise (Ich bin ja inzwischen nicht mehr angestellt, sondern armer Student), liess ich es bleiben.
Stattdessen wollte ich nach Himeiji und Kurashiki. Himeiji habe ich, wie Kanazawa, im Mai 2019 aus meinen Reiseplänen gestrichen. Fehlende Zeit und so. Deshalb freute ich mich, dass ich jetzt doch noch dazu komme, der berühmten Burg einen Besuch abzustatten.
Und Kurashiki ist eine Kleinstadt in der Präfektur Okayama. Ich habe noch nie davon gehört, bis Chris Broad vom YouTube-Kanal «Abroad in Japan» auf seiner Bike-Tour durch Japan dort einen Halt einlegte. Und als ich dieses Video sah, da wusste ich, dass ich da auch dringend hinmuss.
Aber zuerst ging es per Shinkansen nach Himeiji, das man von Kyoto aus ohne Umsteigen erreichen kann. Nach nur rund 45 Minuten bin ich in der berühmten Stadt angekommen.
Vom Bahnhof aus zur Burg Himeiji dauert es zu Fuss ca. 20 Minuten.

Und wieso ist diese Burg so berühmt, dürfte sich der eine oder andere fragen.
Die Burg Himeiji hat als eine der wenigen in ganz Japan Erdbeben, Taifune und Weltkriege überlebt – die meisten anderen Burgen in Japan sind Rekonstruktionen, da das Original irgendwann im Laufe der Zeit mal zerstört wurde. Die Burg Osaka beispielsweise ist noch nicht einmal 30 Jahre alt.
Dazu kommt, dass die Burg Himeiji ein Paradebeispiel für japanische Burgen ist: Die Lage und die Grösse des Komplexes sind phänomenal.
Deshalb wollte ich ja dorthin.
Die Burg ist auf einem Hügel gelegen, und beim Aufstieg fühlt man sich schon einige Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt.
Natürlich darf man auch in die Burg hinein – dazu muss man aber seine Schuhe ausziehen. Im Gegenzug bekommt man ein Paar Pantoffeln.
Für Leute mit grossen Füssen wie mich – ich hab Grösse 45 – gibt es aber keine passenden Schuhe. Ich lege euch deshalb ans Herzen, falls euch die Pantoffeln nicht passen: Geht barfuss oder in den Socken!
Die Treppen im Innern der Burg gleichen eher Leitern und sind verdammt steil. Wenn man dann unpassende Pantoffeln anhat, kann das böse ins Auge gehen.
Aus den Fenstern der Burg hat man eine wunderschöne Aussicht über das Städtchen von Himeiji. Und wenn man genug hat vom Burginnern, kann man nach dem Abstieg im kleinen Park spazieren, der die Burg umgibt.

Nachdem ich durch den Park gewandert bin, ging ich direkt zurück zum Bahnhof, weil ich heute ein relativ gedrängtes Programm hatte. Ich machte nur einen kurzen Stop in einem 7/11, um dort etwas Keines zum Essen zu kaufen, und dann ging es weiter nach Okayama. Dort musste ich in den Regionalzug umsteigen, und schliesslich war ich in Kurashiki.

Kurashiki ist in Europa nicht wirklich bekannt, dabei war diese Stadt eine wichtige Handelsstadt, auch im Handel mit Europäern. Davon zeugt beispielsweise die europäische Architektur, die sonst eher ungewöhnlich ist für Japan.
Dieses ehemalige Händlerviertel nennt sich «Bikan Historical Quarter» und ist ca. 15 Minuten zu Fuss vom Bahnhof Kurashiki entfernt.
Das historische Viertel ist bekannt für seine alten Lagerhäuser an einem Fluss, welcher das Zentrum durchfliesst.
Die Atmosphäre in Kurashiki Bikan ist einmalig, da man sich mit den alten Häusern, den Bootsführern auf dem Fluss und den gepflasterten Wegen wie im Japan des 19. Jahrhunderts fühlt.
Im historischen Zentrum führt eine lange Treppe hinauf zu einem Schrein, von welchem aus man einen guten Blick über die gesamte Stadt erhält.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Zeit in Kurashiki verbringen würde, wie ich es dann effektiv getan habe – ich kann diese Stadt für Japanreisende nur empfehlen! Die Touristen hier sind hauptsächlich Japaner, da Kurashiki im Ausland nicht sonderlich bekannt ist. Es ist – für europäische Verhältnisse jedenfalls – schon ein wenig abseits vom üblichen Gedränge.
Es wurde schon Abend, als ich zurück in Richtung Kyoto aufbrach. Aber zuerst wollte ich noch einen Zwischenhalt in Osaka einlegen, um dort etwas zu essen – in den obersten Etagen des Bahnhofs fand ich ein Tonkatsu-Restaurant, welches mir eine ausgezeichnete Katsudon servierte.
Aus den oberen Stockwerken des Bahnhofs in Osaka hat man auch eine gute Aussicht auf die Nachbarschaft – wie beim Bahnhof Kyoto ebenfalls.

Im Hotel angekommen musste ich jetzt packen, und wundersamerweise fand ich Platz für all meine neuen Kleider.
Am nächsten Tag ging es nämlich nach Fukuoka.





















