Kumamoto ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. In Japan ist Kumamoto vor allem für ihr Maskottchen mit dem Namen Kumamon bekannt. Kumamon wurde 2010 erfunden, um den Tourismus in Kumamoto zu fördern.

Das besondere an Kumamon ist, dass es zur Nutzung freigegeben ist – jede und jeder darf Kumamoto für Merchandise benutzen, solange man die Region Kumamoto damit bewirbt.
Dadurch wurden durch Kumamon alleine im Jahr 2012 über 120 Millionen Franken Umsatz gemacht.
Auch ich konnte mich dem Bann von Kumamon nicht entziehen, und das erste, was ich mir am Bahnhof in Kumamoto gekauft hatte, war eine Kumamon-Mütze.
Kumamoto ist nebst seinem Maskottchen auch für seine schönen Landschaften bekannt. Ohne Auto und mit begrenzter Zeit musste ich mich aber mit der Hauptstadt begnügen.
Mir ist bewusst, dass diese Artikelreihe bisher sehr burglastig war – Burg Kanazawa, Burg Himeiji – und jetzt kommt auch noch die Burg Kumamoto.
Die Burg Kumamoto ist einen halbstündigen Fussmarsch vom Bahnhof entfernt (ich war zu faul, um nachzuschauen, wie der öffentliche Verkehr in Kumamoto funktioniert und bin deshalb zu Fuss unterwegs gewesen).
Zuerst lagerte ich aber mein Gepäck im Bahnhof ein, um das nicht mit mir mitzuschleppen.

Die Burg wurde 1960 wiederaufgebaut, und zählt mit der Burg Himeiji und Burg Matsumoto zu den drei besten Burgen in Japan.
Im April 2016 erfasste allerdings ein Erdbeben die Region Kumamoto, dadurch stürzten einige Teile der Burg komplett, andere teilweise, ein.
Der Wiederaufbau der kompletten Burg wird wohl noch mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte andauern – aber der partielle Einsturz war, was mich an der Burg so reizte.
Durch die eingestürzten Burgmauern sah es so aus, als hätte hier erst vor kurzem eine Schlacht stattgefunden, was der Burg ein Gewisses etwas gibt.
Ansonsten hat Kumamoto nicht allzu viel zu bieten – es ist eine Grossstadt in Japan, wie viele andere auch. Aber die Burg war mir den Besuch definitiv wert.
Für den Rückweg nahm ich die Strassenbahn von Kumamoto – einige Trams sind schon ziemlich alt, was ich ziemlich charmant finde.
Mit der Strassenbahn erreicht man den Bahnhof von Kumamoto schnell und bequem – vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn ich schon für den Hinweg den öffentlichen Verkehr genommen hätte anstelle zu Fuss zu gehen. Aber Schwamm drüber.
Per Shinkansen ging es zurück nach Fukuoka. Mein Hotel lag im Stadtteil Tenjin, nur eine kurze Fahrt mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof Hakata entfernt.
In Tenjin befinden sich viele verschiedene Einkaufszentren und Einkaufsstrassen – aber mit meinem wenigen Platz im Gepäck liess ich weiteres Shopping bleiben.
Die Sonne ging bereits unter, und so beschloss ich, zum Fukuoka Tower zu fahren.

Der Fukuoka Tower rühmt sich, der höchste Turm am Meer zu sein in ganz Japan. Aus der Ferne sieht der Tower aus wie ein Wolkenkratzer, aber tatsächlich befinden sich darin nur zwei Aussichtsplattformen.
Vom Turm aus bietet sich eine spektakuläre Aussicht auf die komplette Stadt Fukuoka, wie auch den Ozean im Norden. Ich konnte einige Bilder von Fukuoka in der Abenddämmerung aufnehmen, aber da mein damaliges Handy bei wenig Licht ziemlich lausige Bilder schoss, muss ich mich mit meinen Erinnerungen begnügen.
Ein Stockwerk unter der Aussichtsplattform befindet sich ein kleines Café – das Essen ist nicht spezielles, aber die Preise sind für die Aussicht ganz in Ordnung. Als ich meine bestellten Pfannkuchen gefuttert habe, war die Sonne längst untergegangen, und Fukuoka in der Nacht erstreckte sich bis zum Horizont.

Am Tag darauf machte ich mich als erstes auf nach Sasaguri. Sasaguri befindet sich rund eine halbe Stunde ausserhalb von Fukuoka. Stärker könnte der Kontrast zum urbanen Fukuoka nicht sein: Auf einmal ist man in einem stillen Bergtal, umgeben von Natur.
Sasaguri ist für den buddhistischen Tempel Nanzo-in bekannt.
Denn auf den Geländen des Tempels befindet sich die grösste Bronzestatue der Welt: Ein liegender Buddha.

Es heisst, ein buddhistischer Mönch hatte einmal im Lotto gewonnen, nachdem er sein Ticket neben eine Buddhastatue gelegt hatte. Mit dem Geld des Lottogewinns finanzierte er den Bau der riesigen Buddhastatue.
Die Buddhastatue ist 41 Meter lang und zeigt Buddha im Moment seines Ablebens.
Mit Bildern allein kann man nicht zeigen, wie eindrücklich die Statue ist – dafür muss man selbst dort gewesen sein.
Beim Tempel führen auch einige Pfade in den Wald oder zu einem Wasserfall – als ich dort war, war ich der einzige Tourist, so dass ich die Stille Im Tempel und dem angrenzenden Wald geniessen konnte.
Apropos Stille:
Pro Jahr besuchen rund 1 Millionen Touristen die Tempelanlage, und aufgrund des teils schlimmen Verhaltens dieser Touristen wurde Nanzo-in vor einigen Jahren im Ausland berühmt dafür, Gruppenreisende abzuweisen. Seit ein paar Jahren dürfen nur noch Individualreisende in kleinen Gruppen den Tempel betreten.
Ich will deshalb hier allen Japan-Reisenden ans Herz legen: Benehmt euch bitte bei Sehenswürdigkeiten generell, nicht nur beim Nanzo-in – seid die Touristen, welche ihr auch bei euch Zuhause gerne willkommen heissen würdet.
Vom Tempel ging es zurück nach Fukuoka.
Zwischenzeitlich sollte ja klar sein, dass ich eine Vorliebe für japanische Gärten und Parks habe.
Deshalb wollte ich jetzt unbedingt zum Ohori Park im Westen von Fukuoka.

Der Park befindet sich neben den Ruinen der Burg Fukuoka und umringt einen See. Im Sommer kann man mit Booten den See befahren, was im Winter leider nicht möglich ist. Aber dafür führen ganzjährig Brücken zu den Inseln inmitten des Sees. Gemeinsam mit dem Shinjuku Gyoen ist der Ohori Park mein liebster Park in Japan!
Östlich des Parks, auf einem Hügel, sind die Ruinen der Burg Fukuoka. Burgruinen sind ziemlich unspektakulär anzuschauen. In Japan heisst das meistens, dass nur noch ein paar Mauern übrig sind.
Aber: auf dem Gelände sind viele Ume-Bäume gepflanzt – und Ume blühen bereits im Winter, ab anfangs Februar.
Ich hatte also Glück und konnte in Fukuoka ein «originales» Hanami abhalten – denn früher waren damit nicht Sakura, sondern Ume-Bäume gemeint.
Meinen Aufenthalt in Fukuoka besiegelte ich – wenig überraschend – mit Ichiran Ramen.

Ichiran Ramen kommen ursprünglich aus Fukuoka, deshalb kann ich mir den Flagshipstore von Ichiran nicht entgehen lassen. Ein komplettes Hochhaus gehört nur Ichiran – ich denke, hier sollte also jeder Platz haben. Im Erdgeschoss serviert Ichiran die Ramen sogar an normale Tische, ohne Sichtschütze – ich glaube, das ist exklusiv für den Flagshipstore, und gibt es sonst in keinem anderen Ichiran Ramen.
Ich habe mich an diesem Abend ein wenig erkältet – es war wirklich saukalt in Fukuoka, und gepaart mit dem ziemlich starken Smog hatte ich ein wenig Fieber. Aber zum Glück würde es am nächsten Tag wärmer werden: Denn mein Ziel für den nächsten Tag war rund 900 Kilometer weiter südlich, in Okinawa.













