Bergen ist mit rund 280’000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt in Norwegen. Der Hafen der Stadt gehört zu einem der geschäftigsten in ganz Europas. Vor allem ist er bekannt als Startpunkt der Hurtigruten, der Postschiffe in Norwegen. Die Schiffe legen täglich in Bergen ab und legen innerhalb von sechs Tagen rund 2700 Kilometer zurück, um in Kirkenes wieder umzukehren.
Diese Infos waren das einzige, was ich über Bergen wusste. Im Vorfeld hatte ich mir keine Touristenattraktionen auf TripAdvisor oder ähnlichen Seiten angesehen. Alles, was ich kannte, war das Hanseviertel Bryggen am Hafen von Bergen mit den berühmten Holzhäuschen. Einfach treiben lassen, war mein Motto für diese Reise.
Am Freitagmorgen stieg ich also in mein Flugzeug Richtung Bergen. Beim Umsteigen in Paris kam ich mir recht dämlich vor, da ich als anscheinend einziger im ganzen Flughafen einen Pulli und eine Winterjacke trug und schwitzte wie ein Schwein. Später würde ich dann aber merken, dass ich besser noch wärmere Kleider mitgenommen hätte.
Am Abend landete ich schliesslich in Bergen. Das erste, was mir auffiel, war der Regen. Den zog ich irgendwie magisch an – dieses Jahr war ich in Florenz, Mailand, Rom, Berlin, London und Venedig. Ausnahmslos überall gab’s Regenwetter, mit der merkwürdigen Ausnahme von London, wo ich Regen viel eher erwartet hätte als in Italien. Gemäss Google ist Bergen die regenreichste Grossstadt in ganz Europa – an 248 Tagen im Jahr gibt’s Niederschlag. Das würde ich während dem Trip auch zu spüren bekommen.
Mit dem Bus ging’s dann schliesslich Richtung Bergen Sentrum. Mein Hotel befand sich nur ein paar Minuten vom Busbahnhof entfernt. Nachdem ich ein wenig Gepäck abgeladen hatte, machte ich mich auf den Weg Richtung Hafen um irgendwo zu Abend zu essen. Heute würde ich noch alleine sein, aber am nächsten Tag erwartete ich Besuch.
Essen ging ich in einem japanischen Restaurant im Bryggen-Viertel. Zum ersten Mal im Leben gönnte ich mir ein Wagyu-Steak (wie schon gesagt, dieses Mal wird in Norwegen nicht gespart 😉).
Blutiges Fleisch finde ich normalerweise sehr eklig, aber das Wagyu Steak war überraschend gut. Den Hype um das japanische Fleisch kann ich gut nachvollziehen.
Nach dem Abendessen schaute ich mir noch das Bryggen-Viertel an. Obwohl die Häuser dort inzwischen touristisch (sprich also, als Souvenirshops) verwendet werden, hat es doch noch seinen Charme mit den engen Gässchen. Da es aber anfing, wie aus Kübeln zu schütten, verschob ich meine Stadtbesichtigung auf den nächsten Tag.

Am Freitag ging ich in eines der unzähligen kleinen Cafés in Bergen, um bis 11.00 Uhr zu warten; dann würde die Express-Fähre aus Florö, einer Stadt 3.5 Stunden nördlich von Bergen, eintreffen. Ich kriegte norwegischen Besuch: Alma, die ich nun schon seit zwei Jahren kannte, kam nach Bergen um mir die Stadt zu zeigen. Kennengelernt hatte ich Alma in Montreux während des Jazz Festivals. Seither sahen wir uns an praktisch jedem Konzert von Lana Del Rey wieder und verbrachten auch abseits der Shows viel Zeit, um fremde Städte zu erkunden.
Deshalb freute ich mich sehr über ihr Angebot, mich in Bergen herumzuführen.
Als es dann endlich elf Uhr schlug, ging ich an den Hafen, um Alma abzuholen. Sie lud nur kurz ihr Gepäck im Hotel ab, und dann ging es schon los. Ein wenig südlich vom Zentrum zeigte sie mir ein wunderschönes Quartier, in dem typisch skandinavische Häuser in Pastellfarben Reihe an Reihe standen. Dadurch, dass die Strasse aus Pflastersteinen und nicht Asphalt gebaut war, fühlte man sich ein wenig in die Vergangenheit gesetzt. Für mich war dieses Quartier die schönste Sehenswürdigkeit in ganz Bergen.
Anschliessend gingen wir ins Aquarium von Bergen. Im Aussenbereich gab es Otter und Seelöwen zu sehen, meine persönlichen Lieblinge waren aber die Pinguine. Denen konnte man zusehen, wie sie sich von ihrem Felsen ins Wasser stürzten und dort umherflitzten.
Den Grossteil unserer Zeit im Aquarium haben wir eigentlich dort verbracht.

Im Innern gab es viele verschiedene Echsenarten, Schlangen und Krokodile, die gemächlich im Wasser trieben. Im Keller befanden sich dann die Fische, welche dem Aquarium ja eigentlich auch ihren Namen geben 😉 Von Nemo und Dorie bis hin zu Haien war alles dabei. Das Aquarium ist sehenswert, mir hat es auf jeden Fall besser gefallen als beispielsweise das Sea Life in Konstanz.
Nach dem Aquarium war es erst Nachmittag, und deshalb beschlossen wir, die anscheinend beliebteste Touristenattraktion in Bergen zu besuchen: Den Berg Fløyen. Zuerst wollte Alma hinaufspazieren, weil’s dann aber regnete, entschieden wir uns für die Standseilbahn.
Vom Berg Fløyen hat man einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt, den Byfjord und die restlichen Hügel, welche Bergen umgeben. Fløyen hat aber nicht nur den Aussichtspunkt zu bieten. Etwa sechs Gehminuten entfernt liegt ein schöner, kleiner See, den man in einer Viertelstunde umrunden kann. Auf dem Gelände laufen ausserdem Ziegen und Pferde frei umher.

Weil der Regen nachgelassen hatte, wanderten wir den Berg hinab, statt wieder die Bahn zu nehmen. Der Abstieg ist mit dem herbstlich gefärbtem Laub und den Waldstücken war sehr schön und ich kann ihn nur empfehlen.
Den Abend verbrachten wir dann grösstenteils damit, Serien auf Netflix zu schauen – Alkohol ist schlichtweg zu teuer in Norwegen. Hier in der Schweiz kriegen wir das billigste Bier im Coop ja für 50 Rappen, in Norwegen kostet das zirka 4.50 Franken.

Am Samstag gingen wir weiterhin auf Stadtbesichtigung und haben unter anderem die Festung in Bergen besucht. Praktisch kein Mensch war zu sehen – nur ein paar Meter vom Stadtzentrum entfernt war hier absolute Ruhe. Insgesamt ein sehr entspannender Moment.
Den restlichen Tag verbrachten wir noch mit Besichtigungen der Stadt, Einkaufen und in Cafés – da es wieder ohne Ende regnete, war ein Aufenthalt drinnen schlichtweg angenehmer.
Schliesslich kam der Sonntag, und es hiess Abschied nehmen – Alma ging wieder nach Hause und ich weiter mit der weltbekannten Bergensbanen, welche einmal quer durchs Land von Bergen nach Oslo führt. Die Zwischenhalte sind teils winzige Dörfer auf einer Hochebene. Die Aussicht während der gesamten Fahrt – immerhin sieben Stunden – ist atemberaubend schön. Auf grossen
Abschnitten der Strecke hat man keinen Empfang, aber weil man grösstenteils sowieso aus dem Fenster sieht, stellt das kein Problem dar. Es war für einmal ganz entspannend, sieben Stunden einfach abzuschalten.
Oslo erreichte ich gegen elf Uhr Abends. Die Stadt kannte ich ja bereits bestens, deshalb fühlte es sich fast ein wenig an, als würde ich nach Hause kommen. Am Montagmorgen ging ich nochmals zu meiner Lieblingssehenswürdigkeit in Oslo, Die Akershus-Festung am Hafen von Oslo, sowie zum neuen Opernhaus in der Nähe des Hauptbahnhofes. Viel Zeit blieb mir in Oslo leider nicht, schon gegen Mittag musste ich den Zug Richtung Flughafen nehmen.
Nachdem ich letztes Jahr bereits Oslo sehr schön fand, stand Bergen dieses Jahr auf der Liste – und auch diese Stadt enttäuschte mich nicht. Norwegen ist eines meiner Lieblingsreiseziele in Europa. Irgendwann mache ich dann den Führerschein, damit ich mit dem Auto einmal durchs ganze Land fahren kann. Durch die Abgelegenheit vieler Städte und Dörfer erlebt man Norwegen wahrscheinlich am besten durch einen Roadtrip – darauf freue ich mich schon.