Japan ’19 | Teil 3: Kansai 関西

Mit dem Shinkansen waren wir innerhalb von zwei Stunden mitten in Kyoto. DerBahnhof sieht ziemlich futuristisch aus, was einen krassen Gegensatz zum Rest von Kyoto darstellt. Ein Tipp: Der Bahnhof ist eines der höchsten Gebäude, abgesehen vom Kyoto Tower. Dafür ist die Aussicht vom Bahnhof gratis, und weil es in Kyoto keine Wolkenkratzer gibt, reicht die Höhe tiptop, um einen Blick auf die Umgebung zu werfen.

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In Kyoto sind die Vorschriften, was Gebäudehöhe betrifft, ziemlich streng, und selbst die höchsten Hochhäuser sind nicht sonderlich hoch. Trotz Kyotos 1.5 Millionen Einwohnern ist bei mir darum nie Grossstadtstimmung aufgekommen.
Am ersten Tag hat es ein wenig geregnet, aber dank Gion1den japanischen Regenschirmen wird man nie nass. Unser Hotel befand sich mitten im Gion-Viertel. Wenn man im Internet Bilder von Kyoto sieht, dann sind sie wahrscheinlich von da – denn Gion ist bekannt als die traditionelle Altstadt, und die wenigen Geishas, die es noch gibt, gehen hier ihrem Handwerk nach.

Fünf Minuten von unserem Hotel entfernt war der Yasaka Schrein, mit seinem roten Tor sehr auffällig. In Kyoto gibt es vor allem Schreine und Tempel zu besichtigen. Anfangs ist das sehr aufregend, aber mit der Zeit setzt die „Temple Fatigue“ ein, und dann hat man’s gesehen. Also macht euch gefasst auf Bilder von Tempeln und Schreinen.

Das schönste an Gion war für mich Gion9aber die kleinen Gassen und Strassen von Higashiyama. Die führen hinauf zum Kiyomizudera Tempel, und dort gibts unzählige

Souvenirläden, Restaurants, Teehäuser und so weiter – und alles ist in alten, traditionellen japanischen Häusern untergebracht. Unterwegs gab’s noch ein wenig Action, weil die Ambulanz ausrückte – eine Amerikanerin hat sich ihr Knie aufgeschürft und wurde liebevoll von den Sanitätern behandelt und durch die engen Gassen zum Rettungsfahrzeug gebracht… 😉

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Am nächsten Tag stand die Touristenattraktion #1 auf unserer Liste – der Kinkakuji, übersetzt der Tempel des Goldenen Pavillons. Der heisst nicht nur aus Spass so, der Tempel ist wirklich komplett vergoldet. Der originale Tempel fiel 1950 leider einem Brandanschlag zum Opfer, wurde aber 1955 originalgetreu wieder aufgebaut. 

Der Kinkakuji ist sehr eindrücklich, der wahre Star ist aber der traditionelle, japanische Garten in dem er liegt.

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Zum Kinkakuji gibt’s am anderen Ende der Stadt selbstverständlich ein Gegenstück, nämlich den Tempel des silbernen Pavillons, der Ginkakuji. Im Gegensatz zum Kinkakuji ist der aber nicht versilbert. Mir hat der silberne Tempel besser gefallen, als der Kinkakuji – er ist schlichter, vor dem Tempel befindet sich ein sehr schöner Zen-Garten und auch der traditionelle, japanische Garten fand ich schöner gestaltet als beim goldenen Tempel. Ausserdem führt der Pfad einen kleinen Hügel hinauf, von dem man eine schöne Aussicht über die Tempelanlage und Kyoto hat.
Bonuspunkt ist, dass der Ginkakuji nicht ganz so stark überlaufen ist, wie der Kinkakuji. 

Im Souvenirladen vom Ginkakuji habe ich mir dann einen sehr schönen, japanischen Fächer gekauft – der passt tiptop zu meinem Yukata, den ich in Tokyo kaufte.

Nicht ganz so bekannt ist die Burg Nijo nördlich von Gion. Durch die Burg darf man nur barfuss gehen, am Eingang kann man seine Schuhe entweder abgeben oder in einen Plastiksack packen und mitnehmen. Das Innere der Burg ist sehr schlicht, da der Boden in allen Räumen aus den traditionellen Tatami-Matten besteht und es, wie üblich in traditonellen Häusern, keine Möbel gibt. Die Schiebewände sind kunstvoll und aufwändig mit verschiedensten Motiven bemalt.
Das wahre Highlight ist – wie beim Kinkakuji und Ginkakuji – der Garten. Hinter der Burg gibt es einen relativ kleinen Garten mit Teehäusern und alten Toren zu besichtigen.

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Ein spezielles Riesenrad in Dotonbori

Am nächsten Tag nahmen wir uns eine Auszeit von Tempeln, Burgen und Schreinen. Mit dem Zug waren wir innerhalb von 30 Minuten in der Metropole.
Meine erste Amtshandlung in Osaka war ein Abstecher ins Pokémon Center, wo ich zwei Plüschtiere kaufte. Ich bin ja schon seit Jahren ein grosser Pokémon Fan, und das Pokémon Center war Himmel auf Erden 🙂
Osaka wird oft auch die Küche Japans genannt, und es besteht generell der Konsens, dass es in Osaka das beste Essen in ganz Japan gibt. Als erstes musste ich natürlich Takoyaki probieren – eine Art runder Pfannkuchen, in dem ein Stück Oktopusarm eingelegt ist. Obwohl ich sonst nicht so der Meeresfrüchte-Fan bin, waren die Takoyaki sehr lecker 🙂
In Osaka verbrachten wir die meiste Zeit in Dotonbori. Dieses Viertel ist für seine riesigen Neonwerbungen, Restaurants und Shops bekannt. Dort gibt’s wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann 🙂

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Zu Fuss machten wir uns nach Dotonbori auf zur Burg Osaka – wir dachten, die sei relativ in der Nähe, schlussendlich waren wir aber über eine Stunde unterwegs. Dafür haben wir auch viel von der Stadt gesehen. Mir kam ein wenig New York Stimmung auf, wegen der vielen Wolkenkratzer und weil die Stadt in einem Schachbrettmuster angelegt ist.
Die Burg Osaka, wie sie heute steht, wurde erst 1997 gebaut. Die ursprüngliche Burg wurde im 2. Weltkrieg komplett zerstört, aber heute ist die Burg eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Japan. Einen Vorteil hatte der Wiederaufbau aber – die Burg ist komplett barrierefrei, der graue Kasten rechts ist ein Aufzug für Rollstühle 🙂 Ich war nicht in der Burg selber, denn scheinbar sind nur Souvenirshops drin, und das war mir der Eintritt nicht wert.osaka8

Die letzte Station in Osaka hiess Umeda Sky Building. Auf 173 Metern Höhe ist dort eine Aussichtsplattform, von wo aus man super die Skyline von Osaka anschauen kann. Umeda Sky Building ist ziemlich nahe am Bahnhof, so dass man auch bei einem kurzen Aufenthalt einen Abstecher dorthin machen kann.

Zu Abend haben wir im Bahnhof gegessen – Dort gab’s ein Yakuniku Restaurant. Yakuniku bedeutet „Gegrilltes Fleisch“, und in so einem Restaurant bestellt man dünne Fleischstücke, die man selber über einem kleinen Grill am Platz zubereiten kann. Wegen der Nähe zu Kobe haben wir Kobe-Beef serviert bekommen, was nicht ganz günstig war, aber das Fleisch war etwas vom besten, das ich je gegessen habe. Ich denke, anderswo kommt man sicher günstiger dazu, denn wir haben ein Restaurant direkt am Bahnhof gewählt – aber lecker wars trotzdem 🙂

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Aussicht vom Sky Building Richtung Meer

Ein weiteres Muss in der Kansai-Region ist Nara. Nara war früher einmal Kaiserstadt und beherbergt eine ganze Reihe an berühmten Tempeln und Schreinen. Per Zug von Kyoto ist man ebenfalls in rund 30 Minuten dort.
Vom Bahnhof geht’s zu Fuss etwa 20 Minuten zum Stadtpark. Und dort hats Rehe. Nara ist für die Rehe bekannt, die seit Jahrhunderten in der Stadt leben. Jeder will die Rehe unbedingt sehen und streicheln, aber ich hatte an den Rehen nicht so mein Spass. Sie sind sehr aufdringlich und beissen gerne mal in eine Tasche, weil sie dort etwas essbares erwarten.

Kofukuji ist einer der berümtesten Tempel in Nara mit seiner fünfstöckigen Pagode und liegt direkt am Ende des Stadtparkes. Kofukuji ist ein super Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung, da nördlich davon die meisten wichtigen Tempel liegen.

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Kofukuji

Auf einem der Hügel von Nara liegt ebenfalls ein schöner Tempel, von dem man eine hübsche Aussicht über Nara hat.

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DAS berühmteste Gebäude in Nara ist aber Todaiji. Im Todaiji befindet sich die grösste bronzene Buddhastatue, und die Haupthalle ist das grösste, rein aus Holz gebaute Gebäude der welt. Der grosse Buddha ist 15 Meter hoch und rund 452 Tonnen schwer und komplett überlaufen mit Touristen, weil alle ein Bild von ihm wollen – aber das ist verständlich 🙂

In der Tempelanlage wurden wir von vielen Kindern angesprochen, die von der Schule aus Ausländer interviewen mussten. Das war ganz herzig 🙂

Nach dem Daibutsu nahmen wir den Zug zurück nach Kyoto, und inzwischen setze bei uns die Temple Fatigue ein. Irgendwann ist der Hype dann vorbei, und man hat die ganzen Tempel und Schreine einfach mal gesehen. Deshalb… gingen wir am nächsten Tag in Kyoto shoppen. Eigentlich gehen die meisten Leute fürs Shoppen ja nach Tokyo, aber in Kyoto hat es eine super Ladengasse mit vielen, verschiedenen japanischen Kleiderläden. Ich war sehr überrascht, dass ich Kleider in meiner Grösse gefunden hatte, weil ich für japanische Verhältnisse sehr gross und sehr dick bin 😉 In Japan sind die meisten Leute relativ klein und sehr dünn, aber es war sehr schön, dass ich problemlos was gefunden hatte.
Um nicht komplette Kulturbanausen zu sein, gingen wir gegen Abend doch noch einen Schrein anschauen, ebenfalls eine der Top-Touristenattraktionen in Kyoto, der Fushimi-Inari.
fushimiinari1fushimiinari2Fushimi-Inari ist nicht für den Schrein per se bekannt, sondern für den Pfad, der den Berg hinter dem Schrein hinaufführt. Auf dem Weg nach oben sind mehrere tausend Toris gebaut, so dicht aneinander, dass man sich fühlt wie in einem Tunnel. Das Bild oben ist relativ weit oben am Berg, wo die Tore immer weniger dicht werden (dafür sind auch keine Leute auf den Fotos). Am Fusse des Berges stehen die Tore noch viel dichter.

Unser letztes Abendessen in Kyoto war eine spezielle Art von Okonomiyaki. Das Okonomiyaki in Hiroshima war besser, aber lecker war es trotzdem. Damit endete unsere Zeit in Kansai – am nächsten Tag ging es wieder per Shinkansen zurück nach Tokyo, wo wir die letzten zwei Tage verbringen würden.

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